Raps-, Linden- oder Akazienblütenhonig – sortenreiner Honig hat uns noch nie besonders interessiert. Wir karren keine Bienenstöcke zum Sonnenblumenfeld, damit sie die erforderlichen 60 Prozent Nektar und Pollen der gewünschten Blütensorte eintragen. Unsere Bienen fliegen, wohin sie wollen, mal direkt in die Wildrosen im Garten vor ihrer Hütte, mal weiß der Himmel wohin – wir lassen uns überraschen.
Dieses Jahr aber haben wir an zwei Standorten, Buckow und Müncheberg, erst im Sommer Honig abgenommen.* Das heißt, es gab dieses Jahr keinen hellen, cremigen Frühlingshonig und flüssigen Sommerhonig, sondern Ganzjahres-Honige von zwei Standorten.
Einer davon schmeckte so kräuterig, als ob die Bienen vor allem im wilden Thymian gesammelt hätten. Der andere eher klassisch nach Raps und Robinie. Das machte uns jetzt doch neugierig. Also schickten wir je Standort ein Glas Honig zur Untersuchung ans Länderinstitut für Bienenkunde nach Hohen Neuendorf.
Kürzlich lagen die Analyseergebnisse im Briefkasten. Spannung! Trommelwirbel! Ta-daaa!
Erstens, der Honig ist nach allen Kriterien einwandfrei: sauber abgefüllt, keine Verunreinigungen, gute Konsistenz, richtig etikettiert.
Zweitens: Sein Wassergehalt von 15,8 und 17,4 Prozent ist top. Die deutsche Honigverordnung gestattet 20 Prozent, der Deutsche Imkerbund 18 Prozent. Unserer Erfahrung nach erlebt ein 20-Prozent-Honig kaum das Mindesthaltbarkeitsdatum, während ein Honig von unter 18 Prozent auch nach fünf Jahren im kühlen Keller noch wunderbar schmeckt.
Drittens ist unser Honig echt, also nicht mit Invertzuckersirup gepanscht wie ein Großteil der Supermarkt-Honige weltweit.
Viertens – und jetzt kommt’s:
Beim Raps lagen wir richtig: Der Honig aus Müncheberg enthält 87,1 Prozent Raps-, 5,1 Prozent Robinien-Pollen, dazu etwas Kastanie und Brombeere. Theoretisch könnten wir den jetzt als Rapsblütenhonig verkaufen. Wenn er nicht schon fast weg wäre. :)
Und der kräuterige Honig aus Buckow in der Märkischen Schweiz … häh?!
39,8 Prozent was?! Ja, tatsächlich, 39,8 Prozent Phaecelia. Ihr wisst schon, das sind diese federigen lila Blüten, auch Büschelschön oder Bienenweide genannt, die gern als Gründüngung auf Ackerflächen ausgesät wird und sehr nektarreich ist. Buckow hat noch einen Anteil von 34 Prozent Robinie, und der Rest verteilt sich auf Linde, Brombeere, Raps und Kleinkram.
Was lehrt uns das? Wir wissen es nicht. Wo die Honigbienen hinfliegen, wann und warum, bleibt vorläufig ihr Geheimnis. Vermutlich hat eine Kundschafterin so schön von der zuckersüßen Bienenweide vorgetanzt, dass die Robinienblüten zwanzig Meter hinterm Bienenstock dieses Jahr es nur auf Platz zwei schafften. Da saß sicher ein anderes Bienenvolk drin. Von wo? Keine Ahnung. Vielleicht aus Müncheberg.
(Kleiner Scherz, sieben Kilometer wären ein verdammt langer Anflug.)
Honiganalyse
Für alle, die es genau wissen wollen:
* Natürlich nur die Menge, welche die Bienen über ihren eigenen Bedarf an Winterfutter hinaus produzieren. Danke dafür, ihr Lieben!