Unter dem Schlagwort „Klimabäume“ bieten Baumschulen und Gartenmärkte seit einiger Zeit Bäume an, die Wärme und Trockenheit vertragen, weil sie entsprechenden Klimazonen stammen. Auf diese Weise soll gewährleistet sein, dass die Pflanzen die nächsten Jahre und Jahrzehnte in unserem Garten überstehen. Oder ihre Pflanzung wird uns sogar als Beitrag gegen den Klimawandel verkauft.

Und selbst die der Permakultur nahestehende Zeitschrift „Natürlich gärtnern und leben“, die wir abonniert haben, stellt in einem Beitrag „Bäume und Klimawandel“ trockenheitsverträgliche Gehölze wie Blasen- und Schnurbaum vor, die ursprünglich aus China und Korea kommen. In der Liste – ich stutze – stehen auch Götter- und Essigbaum, deren invasives Potenzial ziemlich offensichtlich ist: Wer einmal versucht hat, einen Essigbaum samt seiner zig über Wurzelausläufer gebildeten Nachkommen zu entfernen, weiß, dass es ein unmögliches Vorhaben ist. Der Götterbaum wiederum breitet sich deutlich wahrnehmbar schon jetzt ungehindert zunächst auf Bahngleisen, dann auf jeglicher städtischen Freifläche aus, die sich ihm anbietet.

Die Argumente gegen eine zu strenge Auslegung von Neophyt und invasiv kenne ich, die Diskussion habe ich oft mit Frau A. geführt. Ich könnte mich noch einlassen auf eine Art Beschleunigung der ohnehin absehbaren Veränderung der Pflanzenwelt durch besser angepasste Gewächse – solange sie auf unserem Kontinent heimisch sind und sich ohnehin nach Norden ausbreiten werden. Esskastanien meinetwegen, die in der Pfalz schon lange kultiviert werden oder besonders trockenheitsresistente Obstgehölze.

Aber Importe von anderen Kontinenten – da wird mir mulmig. Wir haben keinen Schimmer, wie diese Pflanzen sich hier verhalten werden, wo die natürlichen Feinde fehlen – und vor allem, ob sich unsere ohnehin schwächelnde Insektenwelt schnell genug anpasst, um sich von Pollen und Nektar dieser Gewächse zu ernähren, wenn sie heimische Arten verdrängen. Oder welche heimischen Pflanzen noch schneller zugrunde gehen, weil eines dieser Gewächse Zwischenwirt für eklige Schadpilze ist- wie etwa der chinesische Wacholder für den Birnenrost.

Aber eigentlich geht es mir um etwas ganz anderes als Neophyten-Bashing. „Es ist eine philosophische Frage.“, habe ich einer Freundin geantwortet, die uns ihre Klimabäume vorgestellt hat.

Bekanntlich haben wir mit der anthropozentrischen Haltung „Der Mensch steht im Mittelpunkt“ den Schlamassel herbeigeführt: Klimawandel und Artensterben liegen ja nicht zuletzt daran, dass wir immer glaubten, es besser zu wissen, uns über die Natur gestellt haben, uns einen Dreck geschert haben, wie sie mit unseren Aktivitäten klarkam.

So, und jetzt, wo die Lunte brennt, wollen wir also mehr vom Gleichen – wir stellen uns allen Ernstes wieder hin und sagen „Hier ist die Lösung, wir wissen, was zu tun ist. Klimabäume pflanzen. So retten wir die Welt.“ Hallo, ist da oben jemand zu Hause?“

Vielleicht, und ich behaupte hier nicht, dass ich die Lösung habe, läge eine Möglichkeit in der Philosophie der Permakultur. Einer ihrer wichtigsten Grundsätze heißt „Natur beobachten und verstehen“. Du sollst Abläufe respektieren und mit der Natur, nicht gegen sie arbeiten. Was könnte das in einem privaten Garten heißen?

Tja, was macht die Natur, wenn wir sie lassen und nicht manisch jeden Samstag den Rasen trimmen?

Genau, sie wuchert Flächen zu und wächst in Etagen – hier ein Kraut, da ein Busch, dort eine Schlingpflanze. Wovon ich, gestützt durch eigene Beobachtungen, hundertprozentig überzeugt bin: So ein Garten überlebt den Klimawandel. Sieht unordentlich aus. Aber reguliert sich selber. Es wächst, was und wie es eben geht unter den gegebenen Umständen.

Das heißt für mich nicht, dass unser Garten zum Urwald verkommen soll. Aber es heißt: Hinsetzen, zuschauen und zuhören. Weniger ist mehr. Schluss mit dem Aktivismus. Sich als Teil der Natur und nicht deren Gestalter*in verstehen. Ich nenne es mal …. ein bisschen Demut wagen.

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